Die Ode an die Einfalt

Ausgangspunkt dieses Gedichts war die folgende Beobachtung, die ich neulich irgendwo im Internet entdeckte:

When you are dead, you do not know you are dead.
It’s only painful and difficult for others.
The same applies when you are stupid.

Und in der Tat kennen wir sicherlich alle derlei Menschen, die derart beschränkt sind, dass sie in ihrer Beschränktheit gar nicht bemerken, wie beschränkt sie sind. Und nicht zuletzt deshalb sind solche Menschen allzu oft besonders ausgeprägt sorglos und rundum zufrieden, weil sie gar nicht wahrzunehmen in der Lage sind, was sie rund um sich herum mit ihrer Beschränktheit anrichten. All diesen Menschen ist dieses Gedicht gewidmet …

Die Ode an die Einfalt

Hinter einer Stirne Mauer
lebt ein Einzeller ein grauer,
lebt dort ganz mit sich allein,
kennt nur das Alleinesein,

ahnt nicht mal, wie’s einmal wäre,
gäb’s in seiner kleinen Sphäre
der grauen Zellen noch zwei, drei.
Doch es ist ja einerlei,

denn alleine, wie er ist,
weiß er nicht, was er vermisst,
weil er für normal es hält,
dass nur eine Zelle zählt.

Und so bleibt ihm auch auf Dauer,
einsam hinter seiner Mauer,
das Glück der Ahnungslosigkeit beschieden,
einfältig, einsam, doch mit sich selbst zufrieden.

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Er starb im Recht

Der Donner des Aufpralls war gewaltig, die Wucht verheerend. Er konnte das Knirschen seiner Knochen hören, während die Endorphine ihn betäubten und einen Teil seiner Schmerzen fortschwemmten. In der Zeit eines Wimpernschlags schob sich der andere Wagen auf ihn. Es passierte unbegreiflich schnell, aber für ihn fühlte es sich an, als krieche eine Dampfwalze in Zeitlupe Zentimeter für Zentimeter über ihn hinweg. Mit zerbrochenen Gebeinen lag er zu keiner Bewegung mehr fähig im Wrack seines Wagens und fühlte, dass es mit ihm zu Ende ging. Seine Gliedmaßen fühlten sich an, als lägen sie Meter entfernt neben ihm, und er spürte, wie das warme Blut aus seinem Schädel den Hals entlang ronn. Der Fahrer des anderen Wagens hatte ein Stück zurückgesetzt und rannte nun auf ihn zu, mit vor Entsetzen aufgerissenen Augen, den Mund weit offen, als stieße er einen stummen Schrei aus. Vorsichtig legte er eine Hand unter den Kopf des offensichtlich Sterbenden und hob ihn leicht an, sacht, um dem Opfer nicht noch schlimmere Schmerzen zu bereiten. Wie das Leben den zerschmetterten Körper verlies, holte der Mann noch einmal schwach Luft, sah den anderen Fahrer ungläubig an und hauchte im Sterben „Aber ich hatte doch Vorfahrt.“

Es war zwar schon dämmerig gewesen, aber die Kreuzung war groß und weithin sichtbar und bestens ausgeleuchtet. Wer auch immer auf sie zufuhr, würde sie von weitem überblicken und es bemerken, sollte da noch ein anderes Fahrzeug im Bereich der Kreuzung unterwegs sein.

Sehr wohl hatte er das Fahrzeug von links heran rasen sehen, aber er hatte ja Vorfahrt, und so beschleunigte er nach einem prüfenden Blick auf die rechts von ihm gelegene Einmündung sogleich wieder. „Was für ein Idiot“, beschied er dem Fahrer des von links nahenden Wagens noch. Dieser kam näher, offensichtlich ohne Anstalten, zu bremsen. „Ich werde nicht bremsen, das ist schon seine Aufgabe.“ Man hörte Reifen quietschen, das Hupen zweier Autos. „Der kann doch nicht … Ich hab doch Vorfahrt!“

Epilog: Auf seinem Grabstein stand zu lesen „Er starb im Recht“

Vom Kämpfen

Es gibt nur zwei Arten von Kämpfen, die ein Mensch kämpfen kann – den Kampf mit dem eigenen Ego und den Kampf eines anderen Menschen mit dessen Ego, in welchen man hineingezogen wird. Beides ist vermeidbar.